CITES und die Verwendung von Fernambukholz im Bogenbau

Zwischen Artenschutz, Wiederaufforstung, verantwortungsvoller Nutzung und der jahrhundertealten Tradition des Streichbogenbaus.

Blick entlang des Stammes eines Fernambukbaumes in die Baumkrone.

IPCI und Verantwortung

Die Internationale Initiative zur Rettung des Fernambukbaumes (IPCI) ist eine Initiative von Musikern, Bogenmachern, Wissenschaftlern sowie Naturexperten. Gemeinsam setzen wir uns für den nachhaltigen und verantwortungsvollen Schutz dieses besonderen Holzes ein.

Worum wird es in diesem Vortrag gehen? In diesem Vortrag möchte ich Ihnen zeigen, welche Rolle CITES heute für Fernambuk und den Bogenbau spielt. Ende 2025 stand die entscheidende Frage im Raum, ob Fernambuk von Anhang II in Anhang I aufgenommen werden sollte. Dazu kam es nicht.

Junger Zweig eines Fernambukbaumes mit Dornen.
Der Fernambukbaum – Grundlage einer jahrhundertealten Handwerkstradition und zugleich eine bedrohte Art.

Fernambuk blieb in Anhang II – allerdings mit neuen und deutlich strengeren Regeln. Was diese Entscheidung für uns Bogenmacher bedeutet und welche Aufgaben vor uns liegen, möchte ich Ihnen heute zeigen.

Ein Handelsverbot allein rettet die Bäume nicht. Was wirklich hilft, sind wirksame Forstgesetze. Menschen, die das Holz verantwortungsvoll nutzen und gleichzeitig die Natur schützen, brauchen Unterstützung. Viele Menschen auf der ganzen Welt gehen bereits einen anderen Weg: Sie übernehmen Verantwortung. Sie arbeiten gemeinsam daran, Natur und Musik gleichermaßen zu schützen.

Vor mehr als 25 Jahren erkannten engagierte Menschen, dass der Fernambukbaum in Gefahr war. Bogenmacher schlossen sich zusammen. Sie wollten helfen – mit Wissen, handwerklichem Können und weltweiter Unterstützung. Im Mai 2000 gründeten sie die International Pernambuco Conservation Initiative – IPCI. Diese Initiative zeigt: Der Schutz von Natur und Kultur kann Hand in Hand gehen.

Was als kleine Gruppe begann, ist heute ein weltweites Projekt. Inzwischen zählt die IPCI über 400 Mitglieder in 18 Ländern. Dazu gehören Bogenmacher, Musiker, Wissenschaftler, Forstleute und Naturliebhaber. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern und Berufen. Doch wir alle verfolgen ein gemeinsames Ziel: Den Fernambukbaum zu schützen – und zwar jetzt.

Wir müssen neue Bäume pflanzen, das Holz sorgfältig und verantwortungsvoll nutzen, und wir müssen der Wissenschaft folgen.

Wie ein Mitglied der IPCI einmal sagte: „Es ist nicht nur das Holz, das uns verbindet – es ist die Verantwortung.“

Aufforstung: aus Setzlingen werden Wälder

Von den bisher rund 3 Millionen gepflanzten Fernambukbäumen wurden etwa 340.000 mit Unterstützung der IPCI in die Erde gesetzt. Viele dieser Bäume wurden auf Privatland gepflanzt – in Zusammenarbeit mit Grundstückseigentümern und lokalen Gemeinschaften. Was einst als kleine Setzlinge in Baumschulen begann, ist heute zu kräftigen Bäumen herangewachsen – und sie sind inzwischen an vielen Orten zu finden.

Vorher-nachher-Fotos zeigen den Erfolg deutlich: Orte, die einst trocken und kahl waren, sind heute grün und voller Leben. Die IPCI begann im Jahr 2004, Setzlinge zu verteilen – in Zusammenarbeit mit lokalen Baumschulen und engagierten Partnern.

Unterstützung durch die Regierung hat das Programm gestärkt. Sie hat gezeigt, dass man Kultur und Natur gemeinsam schützen kann. Eine bessere Zukunft ist nicht nur ein Traum. Sie kann wachsen – angefangen mit einem Baum. Aber Bäume zu pflanzen reicht nicht aus. Wir brauchen auch Menschen, die das Holz verantwortungsvoll nutzen. Zum Beispiel Musiker – jene, die jeden Tag mit einem Fernambukbogen spielen. Sie tragen eine besondere Verantwortung – für das Instrument, den Baum und seine Geschichte.

Wissenschaftliche Untersuchung eines Fernambukbaumes im Gelände.
Wissenschaftliche Forschung begleitet die Pflanz- und Schutzprojekte.
Vermessung eines großen Fernambukbaumes.
Wachstum und Eigenschaften der Bäume werden dokumentiert.

Musik, Geschichte und Fernambuk

Musik ist mit unserem Herzen verbunden und berührt uns tief. Durch Melodien können wir in Erinnerungen eintauchen, die uns Trost spenden – und Freude ausdrücken. Musik verbindet Menschen über Grenzen und Generationen hinweg. Streicher können nur spielen, wenn sie hervorragendes Material zur Verfügung haben. Die Bögen bestehen überwiegend aus Fernambukholz. In Brasilien nennt man es Pau Brasil. Dieser Baum wächst nur in einem kleinen Teil Brasiliens.

Der Name Pau Brasil hat eine besondere Bedeutung.

Violinistin beim Spiel.
Für Streicher ist der Bogen ein unmittelbarer Teil der musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten.

„Pau“ bedeutet „Holz“ und „Brasil“ lässt sich mit „glühende Kohle“ übersetzen. Pau Brasil heißt also so viel wie: „Das Holz in der Farbe glühender Kohle.“

Im 16. Jahrhundert waren die Portugiesen die Ersten, die dieses Holz für den Handel mit Europa nutzten. Pau-Brasil wurde nach Europa verschifft, um Stoffe zu färben. All das geschah lange bevor der Handel mit Zucker, Kaffee oder Tropenholz begann.

Brasilien benannte sich selbst nach diesem Baum – so bedeutend war er für das Land.

Über Jahrhunderte hinweg wurden große Mengen Fernambukholz nach Europa verschifft. Entlang der Atlantikküste mussten Gefangene das Holz zu Pulver vermahlen. Man nannte sie „Raspler“.

Das Pulver wurde nach Florenz geschickt, um Stoffe zu färben. Zum ersten Mal waren rote Kleidungsstücke erhältlich nicht nur für Könige, sondern auch für Adelige und Geistliche.

Rechts sehen Sie Papst Pius VII. in einem Gewand, das mit Fernambukholz gefärbt wurde. In französischen Häfen lagerten große Mengen dieses Holzes. Und so begann ein genialer Bogenmacher namens Tourte um 1800, es für den Bogenbau zu verwenden. Sein Name war Francois Xavier Tourte.

Nehmen wir uns einen Moment Zeit, um über diese Verbindung nachzudenken. Der Verbindung zwischen Musik und Natur, zwischen Handwerkskunst und der Verantwortung für bedrohte Arten.

Also: Was können wir tun, um die internationale Tradition des Musizierens mit dem Bogen zu bewahren? Wir müssen das Holz schützen und Bäume nachpflanzen, Gesetze ändern und die Botschaft verbreiten: Auch in Zukunft müssen wir überall auf der Welt mit unseren Bögen musizieren können.

Was macht unsere Bögen so besonders? Warum sprechen Musiker mit so großem Respekt über ihre Bögen? Viele träumen davon, einmal einen echten Tourte-Bogen spielen zu dürfen. Er ist geschmeidig, samtweich. Der Klang hat einen Hauch von Bernstein. Der Bogen verbindet sich mit der Saite – und bringt so den schönsten Klang aus dem Instrument hervor.

Was macht einen herausragenden Bogen aus? Wie verändert er den Klang und die Möglichkeiten eines Instruments?

Historisches Porträt des Bogenmachers François Xavier Tourte.
François Xavier Tourte (1747–1835).

François Xavier Tourte und seine Familie veränderten um 1800 die Form des Bogens grundlegend. Damit schufen sie die Grundlage für den modernen Streichbogen. François Xavier Tourte und seine Familie veränderten um 1800 die Form des Bogens grundlegend.

Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde der Bogen zu einem neuen Werkzeug: flexibel, ausgewogen und präzise. Seitdem hat sich seine Form kaum noch verändert. Seine Bögen sind heute so begehrt, dass dafür oft weit über 100.000 Euro bezahlt werden.

Welchen Vorteil bietet Fernambuk im Bogenbau? Darüber könnte ich stundenlang berichten. Hier aber nur so viel. Es ist stark, flexibel, formstabil – und hervorragend für die Klangentfaltung geeignet. Das Fernambukholz, das Tourte entdeckte, ist das Herz und die Seele des modernen Bogens. Wir müssen es schützen – denn heute ist es in Gefahr. Seit über 200 Jahren ist es ein zentrales Element musikalischen Ausdrucks. Heute steht es auf der roten Liste der bedrohten Arten.

Gefährdung des Atlantischen Regenwaldes

Fernambuk wächst ausschließlich im atlantischen Regenwald Brasiliens. Dieser Wald ist äußerst artenreich – aber stark geschädigt. Heute sind weniger als 9 % der ursprünglichen Waldfläche erhalten.

Hier liegt die Ursache, warum auch das Fernambukholz stark dezimiert ist. Die Bäume sind heute geschwächt, übernutzt oder werden illegal gefällt. Aus diesem Grund wurde der Handel mit Fernambuk im Jahr 2007 unter Schutz gestellt. Seitdem ist es in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet.

Hohe Bäume im Atlantischen Regenwald Brasiliens.
Die Mata Atlântica ist der natürliche Lebensraum von Paubrasilia echinata.

Ich werde CITES später in diesem Vortrag noch genauer erklären – hier nur so viel: CITES ist ein internationales Übereinkommen, das den grenzüberschreitenden Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten regelt. Fernambuk ist seit 2007 in Anhang II gelistet. Der internationale Handel ist damit kontrolliert und kann Genehmigungen und Nachweise erfordern. Seit 2026 gelten für Fernambuk zusätzliche Regeln. Was das heute konkret bedeutet, darauf komme ich später zurück. Ziel ist es, den Baum wirksam zu schützen und zugleich eine kontrollierte, verantwortungsvolle Nutzung zu ermöglichen.

Rauch und Feuer in einer geschädigten Landschaft.
Waldverlust und die Umwandlung von Flächen bedrohen den Lebensraum weit über die Nutzung durch den Bogenbau hinaus.

„Wasser anpflanzen“

Wir als IPCI versuchen zusammen mit Organisationen in Brasilien genau hier anzusetzen. Lassen Sie uns einen kurzen Ausflug in die Nähe der kleinen Stadt Pau Brasil machen.

Dort lebt die indigene Gemeinschaft der Pataxó Hã-Hã-Hãe. Über einen langen Zeitraum wurde ihr Land von weißen Farmern besetzt und ausgebeutet. Hamangai Pataxó ist eine junge Aktivistin, die für die Rechte ihres Volkes und der Frauen kämpft. Gemeinsam arbeiten wir an dem Projekt “Wasser anpflanzen”.

Im Dezember 2024 reisten wir in ihre Heimat. Es ist das Reservat der Pataxó Hã-Hã-Hãe, etwa 17 Kilometer von der Stadt Pau Brasil entfernt. Dieses Land hat eine schmerzhafte Geschichte. Viele Jahre lang wurde es indigenen Familien unrechtmäßig genommen und von brasilianischen Großgrundbesitzern genutzt. In den 1990er-Jahren musste das Land – nach vielen Jahren blutiger Auseinandersetzungen – an die indigenen Familien zurückgegeben werden.

Die brasilianischen Großgrundbesitzer hinterließen das Land in zerstörtem Zustand. Statt eines Neuanfangs folgte die Rache. Felder und Wälder wurden niedergebrannt. Der Boden wurde vergiftet. Wasserquellen wurden zerstört.

Hamangai Pataxó.
Hamangai Pataxó engagiert sich für die Rechte ihres Volkes und für Frauenrechte.

Der Fluss, der einst Leben spendete, ist heute nur noch ein kleines – und manchmal ausgetrocknetes – Rinnsal.

Im Haus von Hamangais Familie hängen Fotos von vier jungen Männern. Ihre Cousins. Sie starben im Kampf um ihr eigenes Land. Die Vergangenheit ist hier nicht weit entfernt. Man spürt den Schmerz in jedem Wort, in jeder Geste.

Und dennoch spüren die Menschen Hoffnung. Hier beginnt das Projekt „Wasser anpflanzen“. Gemeinsam mit IPCI, der lokalen Gemeinschaft und dem Institut Floresta Viva entsteht eine Baumschule – ein zukünftiger Ort für neues Leben. Dort werden junge Bäume gezogen, um das Land zu heilen. Diese Bäume werden in geschädigte Gebiete gepflanzt. Sie helfen, den Boden zu halten, Regen aufzufangen und das Wasser zurückzubringen. Sie spenden Schatten, schlagen Wurzeln und schaffen Lebensraum – für Pflanzen, Tiere und Menschen.

„Wasser anpflanzen“ ist ein echter Heilungsprozess – für das Land und für die Menschen. Mit jedem neuen Baum wächst die Hoffnung. Nicht nur für die Natur – sondern auch für die Zukunft der Menschen. Kinder sehen, dass Leben selbst auf verbrannter Erde zurückkehren kann. Sie sehen, dass Fürsorge und Einsatz etwas bewirkt.

Und dass ihre Geschichte – so schmerzvoll sie auch ist – eine tiefere Bedeutung für die Zukunft hat.

Gespräch mit Mitgliedern der lokalen Gemeinschaft.
Lokales Wissen und Zusammenarbeit sind ein zentraler Teil des Projekts.

Dieses Projekt zeigt, wofür IPCI steht: Den Schutz von Natur und Kultur, grenzüberschreitende Zusammenarbeit, achtsames Handeln und den Respekt vor indigenem Wissen und menschlicher Würde. Es erinnert uns: Der Schutz des Fernambukbaumes hat eine Bedeutung für Menschen. Er verbindet Kontinente – und gibt uns einen Blick aus der Vogelperspektive auf unsere Verantwortung für diesen Planeten. Nur dort, wo Wurzeln Raum haben, kann Wahrheit wachsen.

Materialbedarf und verantwortungsvolle Nutzung

Kehren wir nun zurück – und werfen wir noch einmal einen Blick auf die internationale Regelung von Fernambuk. Als ich diesen Vortrag 2025 in Verbier, Althofen und Radebeul hielt, war noch offen, ob Fernambuk in Anhang I, der strengstmöglichen Unterschutzstellungskategorie, von CITES aufgenommen werden würde. Dazu kam es nicht. Auf der CoP20 in Samarkand blieb Fernambuk in Anhang II. Gleichzeitig wurden die Regeln verschärft. Artenschutz und eine kontrollierte, verantwortungsvolle Nutzung sollen miteinander verbunden werden.

Arbeit an einem Streichbogen in der Werkstatt.
Der weltweite Bogenbau benötigt vergleichsweise kleine Mengen eines Holzes mit sehr spezifischen Eigenschaften.

Der legale und sorgfältige Umgang mit Fernambukholz trägt direkt zur Wiederaufforstung bei. Jährlich werden weltweit etwa 25.000 Fernambukbögen hergestellt – auch in Asien. Andere Bögen werden aus alternativen Hölzern oder Carbon hergestellt. Sie können einen Teil des Marktes abdecken, ersetzen Fernambuk im professionellen Bogenbau bislang aber nicht vollständig.

Viele Bogenmacher arbeiten heute noch mit altem, legalem Holz aus registrierten Vorräten. Diese nennt man Pre-Convention-Bestände. Doch auch diese Vorräte werden eines Tages aufgebraucht sein.

Sobald diese Bestände zurückgehen, wird neues, legal gewonnenes Holz benötigt. Unsere Studie errechnet für den weltweiten Bogenbau einen theoretischen Bedarf von etwa 20 bis 30 Kubikmetern Fernambukholz pro Jahr – mit einem Referenzwert von rund 25 Kubikmetern.

Deshalb ist es wichtig, sich anzusehen, wie Fernambuk für den Bogenbau genutzt wurde: Seit etwa 1800 wurden schätzungsweise 6,6 Millionen Fernambukbögen, mit einer Bandbreite von plus-minus 30% gefertigt. Nach unserer Modellrechnung entspricht das größenordnungsmäßig etwa 9.000 bis 17.000 geeigneten Bäumen. Im Worst-Case seit 1800 bis maximal 50.000 Fernambukbäume. Im selben Zeitraum wurden ca. 50 Millionen Fernambukbäume vernichtet, ohne dass sie ersetzt wurden.

Die gute Nachricht: Seit den 1970er-Jahren wurden bis zu 3 Millionen neue Bäume gepflanzt. Mit dieser Frage haben wir uns auch in unserer 2026 erscheinenden Studie ‚Zwischen Regenwald und Konzertsaal‘ beschäftigt. Dabei haben wir nicht nur den historischen Verbrauch von Fernambuk im Bogenbau untersucht, sondern auch den zukünftigen Materialbedarf und die Möglichkeiten einer nachhaltigen Nutzung.

Diese Zahlen sind wichtig, weil sie uns helfen, die Dimension einzuordnen.

Es geht nicht darum, den historischen Verbrauch des Bogenbaus kleinzureden. Jeder genutzte Baum bedeutet Verantwortung. Aber wir müssen wissen, über welche Größenordnungen wir tatsächlich sprechen, wenn wir über zukünftige Lösungen entscheiden.

Der weltweite Bogenbau benötigt keine riesigen Waldflächen. Er benötigt kleine Mengen eines Holzes mit bestimmten Eigenschaften. Genau deshalb stellt sich die Frage: Können wir diese begrenzte Menge künftig aus legalen und nachhaltig bewirtschafteten Beständen gewinnen? Wenn das gelingt, entsteht aus der Nutzung nicht zwangsläufig ein Gegensatz zum Artenschutz. Sie kann vielmehr Teil eines Systems werden, in dem Schutz, Aufforstung und verantwortungsvolle Nutzung miteinander verbunden sind.

Holzqualität statt bloßes Baumalter

Gleichzeitig zeigen die Untersuchungen: Für die Eignung eines Baumes zum Bogenbau ist nicht allein sein Alter entscheidend. Entscheidend sind die tatsächlichen Eigenschaften seines Holzes – etwa Dichte, Elastizität, Festigkeit und die Ausbildung des Kernholzes. Genau darin liegt eine Möglichkeit nachhaltiger Bewirtschaftung: Bäume können bereits vor einer möglichen Ernte untersucht werden. Nur geeignete Exemplare werden genutzt. Andere bleiben stehen, wachsen weiter und erfüllen weiterhin ihre ökologische Funktion. Pflanzungen in Brasilien, die seit den 1970er-Jahren entstanden sind, haben heute bereits Bäume in für den Bogenbau relevanten Dimensionen hervorgebracht. Ob und in welchem Umfang dieses Holz die erforderlichen Qualitätsstufen erreicht, muss weiter wissenschaftlich untersucht werden.

Das ist für uns Bogenmacher ein entscheidender Punkt. Nicht jeder Fernambukbaum liefert automatisch Holz, das sich für einen hochwertigen Bogen eignet. Und auch innerhalb eines geeigneten Baumes ist nicht jedes Stück Holz gleichermaßen verwendbar. Deshalb müssen wir viel genauer untersuchen, welches Holz tatsächlich gebraucht wird und welche Eigenschaften dafür entscheidend sind. Je besser wir diese Zusammenhänge verstehen, desto gezielter können Bäume ausgewählt werden. Und desto weniger Holz muss unnötig geerntet oder später verworfen werden.

Dokumentierter Bestand von Fernambukholz in einer Werkstatt.
Legale Bestände und transparente Materialwege sind Teil einer glaubwürdigen Rückverfolgbarkeit.

Nachhaltige Nutzung bedeutet deshalb nicht einfach, Bäume zu fällen und neue zu pflanzen. Sie bedeutet vor allem: den richtigen Baum, zum richtigen Zeitpunkt und für den richtigen Zweck zu nutzen – und andere Bäume bewusst stehen zu lassen.

Der Musikinstrumentensektor hat deshalb in den vergangenen Jahren für strengere, aber praktikable Regeln geworben. Ziel war nicht weniger Artenschutz, sondern eine bessere Kontrolle des illegalen Handels.

Dazu gehören Transparenz über legale Holzbestände, nachvollziehbare Herkunft und eine verlässliche Rückverfolgbarkeit. Auch wir wollen Natur, Kultur und Handwerk schützen. Deshalb haben wir uns für wirksame Regeln im Rahmen von Anhang II eingesetzt.

CITES nach der CoP20 in Samarkand

Im November und Dezember 2025 fand in Samarkand die 20. CITES-Vertragsstaatenkonferenz statt. Brasilien hatte vorgeschlagen, Fernambuk von Anhang II in Anhang I zu überführen. Dieser Vorschlag wurde nicht angenommen. Fernambuk blieb in Anhang II. Stattdessen wurde die Annotation #10 geändert und der internationale Handel mit wild gewonnenem Fernambuk weiter eingeschränkt. Für kommerziellen internationalen Handel mit wild gewonnenem Fernambuk gilt nun eine Nullquote, gleichbedeutend mit einem vollständigen Nutzungsverbot. Gleichzeitig wurden für bestimmte nichtkommerzielle Bewegungen fertiger Bögen Ausnahmen geschaffen.

Beschilderung der CITES CoP20 in Samarkand 2025.
Die 20. CITES-Vertragsstaatenkonferenz fand Ende 2025 in Samarkand statt.

Die offizielle Ausnahme, also Fussnote #10 lautet nun: Alle Teile und Derivate, ausgenommen fertige Musikinstrumente, fertiges Zubehör für Musikinstrumente und fertige Teile von Musikinstrumenten im ausschließlich nicht-kommerziellen Verkehr für die Zwecke von bezahlten und unbezahlten Aufführungen, persönlicher Nutzung, Ausstellung, Leihe, Wettbewerb, Unterricht, Begutachtung oder Reparatur, sofern hierdurch kein Eigentumswechsel erfolgt und der Transport nicht dem Verkauf, der Übertragung oder dem Verlust des Exemplars außerhalb des üblichen Wohnsitzstaates des Eigentümers dient. Nullquote für im Wildfang gewonnene Exemplare (Quellcode W), die zu kommerziellen Zwecken gehandelt werden.

Was gilt nun seit 2026?

Fernambuk bleibt in Anhang II von CITES. In der Europäischen Union ist die Art weiterhin in Anhang B geführt. Und seit dem 5. März 2026 gilt international diese neue Annotation #10.

Für kommerziellen internationalen Handel mit wild gewonnenem Fernambuk gilt eine Nullquote. Bestimmte nichtkommerzielle grenzüberschreitende Bewegungen fertiger Bögen sind dagegen von der CITES-Genehmigungspflicht ausgenommen. Dazu gehören insbesondere persönlicher Gebrauch, Aufführungen, Ausstellungen, Leihgaben, Wettbewerbe, Unterricht, Begutachtung und Reparaturen. Voraussetzung ist, dass dabei kein Eigentumswechsel stattfindet und der Bogen nicht im Ausland verkauft oder übertragen wird.

Damit wurde zugleich verhindert, dass das Reisen mit vorhandenen Bögen durch eine Aufnahme in Anhang I erheblich komplizierter wird.

Behörden und internationaler Handel

CITES ist ein internationales Übereinkommen – umgesetzt wird es jedoch durch die zuständigen Behörden der einzelnen Staaten. In Deutschland ist für die Einfuhr, Ausfuhr und Wiederausfuhr geschützter Arten das Bundesamt für Naturschutz, das BfN, zuständig. Daneben spielen die Behörden der Bundesländer eine wichtige Rolle. Sie prüfen beispielsweise die Herkunft und die rechtmäßige Besitzlage eines Fernambukbogens. Für bestehende Bögen kann dabei eine sogenannte Vorlagebescheinigung von Bedeutung sein. Sie dient als behördlicher Nachweis über die dokumentierte Herkunft beziehungsweise den rechtmäßigen Besitz und kann insbesondere bei späteren Genehmigungsverfahren wichtig werden. Damit wird deutlich: Nicht nur die internationale CITES-Regelung ist entscheidend – ebenso wichtig ist, wie sie in Deutschland praktisch umgesetzt und dokumentiert wird.

Anders sieht es beim internationalen Verkauf oder bei einem Eigentumswechsel aus. Hier bleiben die CITES-Regeln und die erforderlichen Nachweise entscheidend. Besonders wichtig ist dabei der Begriff Pre-Convention. Fernambuk wurde am 13. September 2007 in die CITES-Anhänge aufgenommen.

Beispiel einer CITES-Wiederausfuhrgenehmigung.
Beim kommerziellen grenzüberschreitenden Verkehr bleiben Genehmigungen und belastbare Nachweise wesentlich.

Holz und daraus gefertigte Bögen können als Pre-Convention-Exemplare behandelt werden, wenn die dafür maßgeblichen Voraussetzungen bereits vor diesem Datum erfüllt waren und dies nachvollziehbar belegt werden kann. Deshalb wird eine gute Dokumentation von Alter, Herkunft und vorhandenen Beständen immer wichtiger.

Die Geschichte eines Bogens bewahren

Was zunächst sehr bürokratisch klingt, kann für Musiker irgendwann ganz praktisch werden. Nehmen wir einen alten Fernambukbogen, der seit Jahrzehnten in Familienbesitz ist. Solange dieser Bogen einfach gespielt und behalten wird, stellt sich möglicherweise überhaupt keine CITES-Frage. Anders kann es aussehen, wenn der Bogen später verkauft oder international gehandelt werden soll. Dann kann plötzlich wichtig werden: Wer hat ihn gebaut? Wie alt ist er? Wann wurde er erworben? Und welche Unterlagen sind noch vorhanden?

Werkstattstempel wird in eine Bogenstange eingebrannt.
Werkstattkennzeichnung und Seriennummern können die Herkunft neuer Bögen dokumentierbar machen.

Deshalb sollten wir nicht erst dann beginnen, nach Informationen zu suchen, wenn ein Verkauf oder eine Genehmigung unmittelbar bevorsteht. Dokumentation funktioniert am besten, solange die Geschichte eines Bogens noch nachvollziehbar ist.

Wenn Musiker das Material und seine Geschichte verstehen, behandeln sie den Bogen mit besonderer Sorgfalt. Dann ist er ein Stück Natur, geformt durch Handwerkskunst – und Teil einer lebendigen musikalischen Tradition. Die Pflege eines Bogens trägt auch zum Schutz des Holzes bei.

Ein guter Bogen kann viele Jahre – ja sogar Generationen – überdauern.

Dokumentation wird deshalb immer wichtiger. Bei einem neuen Bogen sollte die legale Herkunft des verwendeten Fernambukholzes nachvollziehbar sein. Bei bestehenden Bögen sollten vorhandene Informationen und Unterlagen möglichst erhalten und zusammengeführt werden.

Hilfreich sind zum Beispiel Angaben dazu, wann und von wem ein Bogen hergestellt wurde, sowie Rechnungen, Expertisen, Versicherungsunterlagen oder Materialdeklarationen.

Für den persönlichen Besitz eines Fernambukbogens ist in der EU nicht automatisch ein CITES-Dokument erforderlich. Bei Verkauf, Eigentumswechsel oder internationalem Handel können Herkunft und Alter des Bogens jedoch entscheidend werden. Eine gute Dokumentation schützt deshalb nicht nur den Eigentümer. Sie unterstützt auch den legalen Handel und eine glaubwürdige Rückverfolgbarkeit.

Neue und historische Bögen brauchen unterschiedliche Lösungen

Dabei müssen wir allerdings zwischen neuen und historischen Bögen unterscheiden. Bei einem neuen Bogen können wir heute von Anfang an dokumentieren, woher das Holz stammt, aus welchem Bestand es kommt und wer daraus den Bogen gefertigt hat. Bei einem hundert oder zweihundert Jahre alten Bogen ist das naturgemäß etwas anderes. Wir können keine lückenlose Lieferkette nachträglich erfinden, die damals überhaupt nicht dokumentiert wurde.

Bogen und verschiedene Dokumente zur Material- und Herkunftsangabe.
Dokumentation verbindet den Bogen mit seiner Material- und Besitzgeschichte.

Hier müssen andere Informationen helfen: die Arbeit des Bogenmachers, das Alter des Bogens, Rechnungen, Expertisen, Versicherungsunterlagen oder eine nachvollziehbare Besitzgeschichte. Eine zukünftige Rückverfolgbarkeit muss deshalb beides können: bei neuen Bögen möglichst präzise sein – und bei historischen Bögen praktikabel und realistisch bleiben.

Schutz, Wiederaufforstung und legale Nutzung gemeinsam denken

Mit der Entscheidung von Samarkand ist die Arbeit deshalb nicht beendet. In den kommenden Jahren geht es vor allem um die praktische Umsetzung der neuen Regeln. Dazu gehören eine nachvollziehbare Herkunft und Rückverfolgbarkeit von Fernambukholz. Ebenso wichtig sind die Dokumentation vorhandener Bestände und praktikable Regeln für historische Bögen und Pre-Convention-Holz. Ein weiterer zentraler Punkt ist die rechtssichere Nutzung von legal gepflanzten Beständen in Brasilien. CITES arbeitet deshalb weiter an Fragen der Rückverfolgbarkeit, der Bestandskontrolle und einer möglichst harmonisierten Umsetzung. Für uns Bogenmacher bedeutet das: Wir müssen zeigen, dass eine kontrollierte und verantwortungsvolle Nutzung funktionieren kann. Dafür brauchen wir verlässliche Dokumentation, transparente Materialwege und die Zusammenarbeit mit Brasilien und den Behörden. Artenschutz und Bogenbau dürfen dabei nicht als Gegensätze verstanden werden. Eine nachhaltige Zukunft ist nur möglich, wenn Schutz, Wiederaufforstung und legale Nutzung zusammen gedacht werden.

Musiker können auch Projekte wie die IPCI unterstützen. Sie können Informationen weitergeben, Aufforstungs- und Forschungsprojekte unterstützen und ihre eigenen Bögen sorgfältig dokumentieren. Und genau hier entscheidet sich in den nächsten Jahren sehr viel. Die Frage lautet nicht mehr nur: Soll Fernambuk geschützt werden? Darüber besteht im Grunde kein Zweifel. Die entscheidende Frage lautet: Wie muss ein System aussehen, das diesen Schutz tatsächlich erreicht? Ein System, das illegales Holz ausschließt. Das legale Bestände nachvollziehbar macht. Das Aufforstung und nachhaltige Bewirtschaftung in Brasilien unterstützt. Und das gleichzeitig berücksichtigt, dass Millionen von Bögen bereits existieren und seit Generationen Teil unseres musikalischen Kulturerbes sind. Wenn wir dafür praktikable Lösungen finden, kann CITES mehr sein als ein Instrument zur Einschränkung des Handels.

Es kann dazu beitragen, legale Nutzung von illegaler Nutzung zu unterscheiden – und damit diejenigen stärken, die sich tatsächlich für den Erhalt dieser Art einsetzen.

Denn es geht hier nicht nur um Musik – es geht darum, Verantwortung zu übernehmen. Die Entscheidung von Samarkand gibt uns damit Zeit – und Verantwortung. Wenn es uns gelingt, Schutz, Wiederaufforstung, nachvollziehbare Dokumentation und legale Nutzung miteinander zu verbinden, können Artenschutz und die jahrhundertealte Tradition des Bogenbaus gemeinsam eine Zukunft haben. Die zentrale Botschaft lautet: Musiker sowie Bogenmacher sind nicht das Problem – sie müssen Teil der Lösung sein.

Obrigado! Danke! Thank you!